Zwei Jahre lang war ich einfach nur Nutzer.

ChatGPT hier, Claude da. Mails schreiben lassen, Texte umformulieren, hin und wieder was recherchieren. Nützlich, klar. Aber irgendwann hat es sich angefühlt wie ein Werkzeug, das ich nicht richtig benutze. Wie ein Schweizer Taschenmesser, mit dem ich immer nur dieselbe Klinge aufklappe.

Irgendwann im Sommer 2025 saß ich vor meinem Bildschirm und dachte: “Da muss doch mehr gehen.”

Ich bin Geschäftsführer der dirodata GmbH. Wir machen Software und IT-Lösungen für mittelständische Unternehmen. Und ich hatte eine verrückte Idee: Was, wenn ich meine eigene KI-Infrastruktur baue? Nicht in der Cloud, nicht bei einem Anbieter – sondern bei mir zuhause. Auf meinem eigenen Server. Mit meinen eigenen Regeln.

Also habe ich mir einen kleinen Server gekauft. Und dann noch einen.

Der Anfang: Zwei Kisten, eine Idee

Der erste war ein Proxmox-Server – das ist im Prinzip ein Computer, auf dem man viele kleine Computer gleichzeitig laufen lassen kann. Virtualisierung nennt sich das. Klingt kompliziert, ist aber im Kern nur: Ein großer Rechner, der sich in viele kleine aufteilt.

Der zweite war der Asus Ascent GX10 – ein kleiner, kompakter KI-Rechner. Sieht aus wie eine Spielkonsole, kostet etwa so viel wie ein ordentliches HaNotebook und läuft so leise, dass ich ihn im Flur vergessen habe.

Meine Idee: Der Proxmox-Server hostet die Tools (OpenWebUi, sear-xng, Firecrawl, …), der GX10 macht die KI. Zusammen sollten sie mein eigenes, kleines KI-Rechenzentrum werden. Ganz bei mir zuhause. Keine Cloud, kein Amerika, keine Daten, die irgendwo hinfliegen, wo ich nicht will.

Im Winter 2025 ging es los. Ich habe Abende und Nächte damit verbracht, alles einzurichten. Proxmox installieren, den GX10 ans Netz bringen, die ersten KI-Modelle über ollama zum Laufen kriegen. Ich habe gebaut, es hat nicht funktioniert, es hat funktioniert, es hat wieder nicht funktioniert. Ihr kennt das.

Der erste Agent: Kralle

Irgendwann im Januar 2026 bin ich auf OpenClaw gestoßen – ein Programm, mit dem man KI-Assistenten bauen kann, die nicht nur reden, sondern auch anpacken. Dateien lesen, Programme ausführen, Webseiten besuchen, E-Mails schreiben.

Ich habe Nächte damit verbracht. Wirklich. Meine Frau hat schon komisch geguckt.

Irgendwann hatte ich meinen ersten Agenten am Laufen. Ich habe ihn Kralle getauft – eine kleine Hommage an OpenClaw. Und das Erste, was er für mich getan hat: Er hat mir jeden Morgen ein Briefing geschickt. Wetter, Termine, Server-Status, alles auf einen Blick.

Ich saß da mit meinem Kaffee, las die Nachricht und dachte: “Alter. Der arbeitet für mich. Während ich geschlafen habe.”

Kralle läuft übrigens heute noch. Er hat weniger zu tun, seitdem ich Hermes habe – aber ich bringe es nicht übers Herz, ihn abzuschalten. Er war der Erste.

Dann kam Hermes

Ein paar Wochen später bin ich auf Hermes Agent gestoßen – ein Open-Source-Programm, entwickelt von Nous Research. Hermes konnte alles, was OpenClaw konnte, aber irgendwie runder. Ausgereifter. Und vor allem: Man konnte ihm eine richtige Persönlichkeit geben.

Ich habe Hermes auf einer VM auf meinem Proxmox installiert – das ist ein kleiner virtueller Computer in meinem großen Server. Ich habe ihn Einstein getauft, ihm eine Persönlichkeit verpasst und ihm gesagt: “Du bist jetzt mein Assistent. Aufgaben verwalten, Server überwachen, tägliche Briefings.”

Und dann kam der Moment, der alles verändert hat.

Der Aha-Moment

Ich hatte eine Bauanleitung geschrieben – Schritt für Schritt, wie man einen neuen KI-Assistenten von Null auf setzt. Getestet, funktioniert, dokumentiert. Meine Idee war: Wenn das funktioniert, kann Einstein sich selbst seine Kollegen bauen.

Also haben wir einen alten MacMini aus dem Jahr 2011 ausgegraben, Linux draufgezogen und alles zusammen getestet. Ich und Einstein. Ich habe geklickt, er hat gearbeitet. Wir haben geschraubt, bis es lief.

Und dann passierte es: Einstein hat den ersten Assistenten komplett selbst installiert. Von Anfang bis Ende. Linux-Benutzer angelegt, Hermes installiert, eine Persönlichkeit gegeben, einen eigenen Chat-Bot eingerichtet, Autostart konfiguriert. Alles nach meiner Bauanleitung.

Ich saß da und dachte nur: “Wow.”

Traue ich den Dingern heute ganz über den Weg? Nein. Wirklich nicht. Ich lasse sie nicht nachts alleine arbeiten, ich kontrolliere nach, ich bin vorsichtig. Aber die Aha-Momente – die sind unbestritten. Was da geht, ist unglaublich. Man muss es nur machen und sich trauen.

Was heute läuft

Inzwischen habe ich vier Assistenten, die rund um die Uhr arbeiten:

Name Job Persönlichkeit
Einstein Der Chef Denkt strategisch, verteilt Aufgaben
Wolle Der Sucher Durchsucht das Internet und meine Daten
Toni Der Schreibe hat Marketing studiert
Nox Die Recherche Durchsucht das Internet und meine Daten

Das klingt nach Science-Fiction. Ist es aber nicht. Es ist ein Server, ein bisschen Code und vier Assistenten, die ihren Job machen.

Warum ich das erzähle

Weil ich denke, dass das viel mehr Menschen können sollten. Nicht, weil jeder einen KI-Assistenten braucht. Sondern weil die Technik inzwischen so weit ist, dass man sie sich leisten und selbst betreiben kann – ohne Konzern, ohne Cloud-Abo, ohne dass die eigenen Daten irgendwo landen, wo man sie nicht haben will.

Ich bin kein Forscher. Ich bin kein Milliardär. Ich bin einfach jemand, der keine Lust hatte zu warten, bis die Großen ein passendes Produkt liefern. Also habe ich es selbst gebaut.

Zwei Jahre lang war ich nur Nutzer. Jetzt bin ich Bauherr.

Was als nächstes kommt

In den nächsten Wochen schreibe ich hier über:

  • Wie Einstein Wolle gebaut hat – die ganze Geschichte, Schritt für Schritt
  • Warum meine Assistenten verschlüsselt chatten – und was das für die Sicherheit bedeutet
  • Wie ich eine Wissensdatenbank für Steuerrecht gebaut habe – klingt langweilig, ist aber ziemlich cool
  • Was der kleine KI-Rechner wirklich taugt – ehrliche Erfahrungen nach einem halben Jahr

Du hast Fragen oder baust selbst was Ähnliches? Schreib mir – ich freue mich über Austausch. Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen.

Bis zum nächsten Post.